vom Winter
und der Allverbundenheit und dem Sterben
Aus meinem Newsletter September 2024
Ich habe mich für meine ersten Naturgänge nicht bewusst entschieden, sie waren 2017 Teil eines Natur-Ritual- Wochenendes. Umso überraschter war ich von dem Raum, der sich in diesen zweistündigen Naturgängen öffnete und der Erfahrung während meines dritten Naturgangs am Ende des Wochenendes, die mein Leben veränderte:
Es war Anfang November, es war kalt, es regnete in strömen. Ein ganzes Wochenende mit erkenntnisreichen Naturgängen, einem tiefgreifenden Ritual und schönen Gruppengesprächen lag hinter mir. Ich hatte schon so viel Wunderbares erfahren, ich hatte keine Lust mehr in dieser Kälte und nun auch noch mit diesem Regen dort im Wald zu sein… Wenn ich ehrlich bin, hielten mich lediglich die anderen Teilnehmer/innen, die auch irgendwo in diesem Wald hockten, davon ab, diesen Gang abzubrechen. Lust hatte ich keine, ich wollte auch nicht mehr irgendetwas tun, war voll mit Einrücken. So zog ich alles an, was ich hatte, wickelte alles um mich herum und drückte mich ganz fest an einen Baum, so dass ich so viel Regenschutz und Wärme wie möglich bekam. Ich weiß nicht wie lange ich so saß, als sich etwas veränderte: Im Wald spürte ich nun eine einzigartige Novemberstimmung – still, nebelig, etwas düster – alles verschwamm… Da spürte ich ‚Klong, Klong, Klong‘ den Regen auf meiner Kapuze und im gleichen Rhythmus, wie mich der Regen traf, sah ich die Blätter dicht am Waldboden tanzen … Es traf mich ein Gefühl, was mich für immer veränderte, ich fing an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören: Ich sah mich in den Blättern und die Blätter in mir – es war alles eins – der ganze Novemberwald verschwamm und so saß ich da und hatte gerade in meiner ganzen Unlust das Geschenk der Allverbundenheit überreicht bekommen. Ich war überglücklich. Ich finde für dieses Erleben keine würdigen Worte, und dennoch kann ich mich mit diesem Gefühl seither jederzeit verbinden, als säße ich wieder in diesem Wald. Seit dieser Zeit habe ich ein neues Ur-trauen ins Leben und weiß um das Große Ganze, in dem wir uns bewegen.
Für eine Öffnung und das Neue/ das Wunder/ das Geschenk braucht es meistens Vertrauen, Hingabe und Lassen. Dafür kann nichts gemacht werden. Hier ist nicht unser Ego am Werk sondern wir dürfen lassen, empfangen und vertrauen. Die Winterzeit (das Halbjahr zwischen den Tag-und-Nacht-Gleichen) ist Seelenzeit.
Genau darum geht es in der WaldZeit: Du gehst über eine Schwelle und betrittst einen Raum fernab Deines Alltags, fernab Deines Egos. Hier bist Du eingeladen über Deine Sinne ins Sein zu kommen. Hier kannst Du Deiner Seele und der Großen Seele ganz nah kommen. Hier kannst Du inmitten der Natur neue Beziehungserfahrungen machen. Hier können Neues und Wunder geschehen, aber wir können sie nicht machen, nichts erwarten, nichts versprechen. Es wird sich zeigen, was sich zeigen will und möglich ist… Die WaldZeit wird Dich näher zu Dir und zum Großen Ganzen bringen.
Ich kann nichts versprechen. Du kannst nichts Erwarten. Und dennoch weiß ich, dass sich ein wunderbarer und wichtiger Raum öffnet, wenn Du Dich dem hingibst. Es ist ein Raum, in dem es wahrhaftig ist und Du wirst Dir und Deinen Themen begegnen. Niemand gibt etwas vor – alles entsteht aus Dir heraus, aus der Beziehung zwischen Dir und der Natur. Das ist der wahre Schatz und das ist eine Qualität, die diese Zeit braucht, damit Jede/r für sich in ihre/seine Kraft kommt im Einklang mit dem Großen Ganzen. So kann Heilung entstehen.
Vor zwei Wochen habe ich einen ganz anderen Schwellengang erlebt: Unsere Hündin ist gestorben. Wir waren ein paar Tage mit ihr im Rückzug um sie bei diesem Übergang zu unterstützen. Hier habe ich keine Schwelle überschritten, wie ich es bei Naturgängen oder bei Ritualen bewusst tue. Hier öffnete sich irgendwann ein Heiliger Raum, in dem es sich anfühlte, wie in einem Traum, in dem wir spürbar Teil des Großen Ganzen waren und sich alles fügte und das Wunder geschehen konnte. Noch ganz berührt von unserer hingebungsvollen Hündin, teile ich diese Erfahrung und das Wunder, was neben dem Schmerz darin liegt. Es ist der gleiche Raum im Jahreskreis, den wir auch in den Naturgängen betreten. Derzeit ist der Tod gewiss und eng mit dem Leben verbunden und so fühle ich nach dieser Erfahrung, die mir meine Hündin geschenkt hat, noch einmal intensiver, wie sehr es sich lohnt dieses Winterhalbjahr ins Leben zu integrieren.
Nachklang:
Eine andere tiefgreifende Erfahrung machte ich während des Übergangs unserer Hündin Klara. Wie im Traum öffnete sich ein Raum. In diesem Raum konnte ich vage einen Kreis erkennen und Hände die sich unserer Hündin entgegen streckten. Ich lag auf einer Matratze, Klara neben mir und ich sah diesen Kreis aus meinem Blickfeld und gleichzeitig aus Klaras und mit einem Mal erkannte ich mich in dem Kreis derer, die Klara die Hände entgegen streckten um sie zu empfangen. Ich erwachte, öffnete die Augen und sah wie Klara ein letztes Mal ausatmete. Ich wusste in diesem Moment, dass ihre Seele gegangen ist. Ganz friedvoll und ich war im Frieden, weil ich wusste dass sie liebvoll begleitet wird. Ich ging mit ihrem Körper ein paar Tage in den Rückzug und erfuhr eine neue Öffnung meines Seins. Es brauchte eine Woche bis ich wieder in diese irdische Welt ziehen konnte.